Größe des Pufferspeichers und Taktung bei der Wärmepumpe

Hallo zusammen, mich interessiert, welches Maß an getaktetem Betrieb einer LuftwasserWP als gesund angeshen wird, und ob es sinnvoll ist, die Taktung surch einen größeren seriellen Pufferspeicher zu reduzieren.

Situation: Haus mit 200m2 WFL, Bj 1979, Kernsaniert 2010 mit Aufsparrendämmung, Fenster-Erneuerung. 2022 Umstellung der Ölheizung (2500 L Verbrauch p.a.für Heizung und Brauchwasser) auf zwei Wärmepumpen separat für Heizung und Brauchwasser.
Große WP: Lambda Eureka EU13 (max 13KW), versorgt Fußbodenheizung ca 80m2 und Heizkörper in Bädern und Schlafzimmern, Vorlauftemp. ca 40-45 Grad mit setiellem Puffer 300 L. Kleine W-W-WP Ovum (max 2.5KW) nimmt Wärme aus diesm Puffer und macht daraus in eigenem Puffer (300 L) Brauchwasser mit idR 62Grad C.
Stromversorgung erfolgt idR über 18KWp PV-Anlage mit Batterie.
Problem: Hydraulik im Haus wurde nur im Heizungskeller erneuert, Rohre im Haus sind zT im schlechten Dämmstandard von 1979. Das ist nicht wirtschaftlich zu erneuern.
Daraus ergibt sich die Situation : Bei niedrigen Außentemperaturen von ca. 0 Grad C ist der Wärmebedarf des Hauses mit der eingebauten Hydraulik so groß, dass die HeizungsWP Lambda EU13 ca alle 2h bis 2.5h startet, um den 300L Puffer wieder um 10 Kelvin aufzuheizen. => Frage: Wäre es nicht sinnvoll, das Takten der Lambda WP um Faktor 3 zu reduzieren, und damit die WP zu schonen, indem man statt des 300 L Puffers einen 1000 L Puffer einbaut? Damit könnte man auch mehr PV-Energie am Nachmittag und Abend für die folgende Nacht speichern. Oder macht so ein Takten alle 2 Stunden der WP nichts aus? Danke für Eure Meinung!
Liebe Grüße aus Essen,
Frank

Wie lange läuft die WP in der Situation pro Takt?

Die WP läuft jeweils ca 45min. D.h. nachts zwischen 0 Uhr und 6 Uhr 3 - 4 mal.

Korrektur: Das dreimal bis viermal Ein-Aus pro 6 Stunden gilt für 7 Grad Außentemperatur. (Bei Null Grad habe ich leider keine Aufzeichnung gefunden. )

Hallo,
vorab mal dieses Video, was so die Grundlagen ein wenig genauer beleuchtet. Da wird auch über Pufferspeicher gesprochen.

Grundsätzlich ist ein Verdichter-Start wie beim Kaltstart eines Autos. Damit wäre eine Verlängerung der Taktung durchaus grundsätzlich verschleißmindernd.
Um den Verschleiß zu reduzieren, verfügen neuere WPs aber auch über eine Verdichter- Leistungssteuerung, Sumpfheizungen und anderer Mechanismen, die den Verdichter entlasten.
Insofern kann man die Frage nicht allgemein beantworten sondern ist sicher anlagenspezifisch.
Deshalb wäre eine Anfrage bei Deinem Hersteller vermutlich etwas präziser, um in Erfahrung zu bringen, mit wieviel Verdichterstarts die eigentlich rechen.

Final ist die Gesamtzahl aller Verdichterstarts der Maßstab, gibt aber auch sicherlich andere Teile, die verschleißen. Die ist aber je nach Betriebzustand, Aussentemperatur, Jahreszeit etc. sehr unterschiedlich.
Wenn Du die Taktzeiten verlängerst, in dem Du mit einem Pufferspeicher die Energie im Heizkreis erhöhst, dann hast Du auch größere Verluste. Die Pufferspeicher sind zwar gut gedämmt, aber Wärme verlieren sie trotzdem.
Die Wärme, die in der Wohn-Gebäudehülle verloren geht, bleibt ja erst mal im Haus. Alle Verluste ausserhalb sind weg.

Die finale Frage ist, ob Du Verluste in Kauf nimmst damit Deine Heizung 50 Jahre hält. Was in 20 Jahren an Heiztechnik verfügbar ist, läßt sich heute noch gar nicht abschätzen.
Wenn Du nun (zumindest bei Null Grad) von 8 Takten pro Tag (2-2,5 Std + 45 Min) redest, dann liegst Du da sicherlich nicht zu hoch. Denke dran, dass WPs ja oft auch noch zusätzlich warmes Wasser erzeugen, welches ja zusätzliche Takte erzeugt.

Da Du ja Solar hast, könntest Du versuchen, via Nachtabsenkung oder Nachabschaltung das Einschalten der Anlage in der Nacht zu verhindern. Du mußt die Wärme zwar wieder ins Gebäude bringen, am Tag hast Du aber zumindest etwas Strom von Dach. Die Taktzeiten veringern sich um den Nachanteil.
Ein Puffer könnte helfen, die Nacht zu überbrücken. Du könntest auch den Pufferspeicher dazu benutzen, die Vorlaufgtemperatur zu senken. Du sagtest 45 Grad mit 10 Grad Spread. Das ist eine mittlere Temperatur von 40 Grad. Die erreichst Du auch mit 42,5 Grad Vorlauf und 5 Grad Spread.
Niedrigerere Vorlauftemperatur = höherer COP + weniger Verluste. Allerdings auch mehr Takte bei gleichem Puffer. Durch größeren Puffer könnte man das kompensieren.
Ob die Rechnung aufgeht, müßte man ausprobieren.
Dein Solar auf dem Dach wird nicht reichen um die Anlage im Winter autonom zu fahren, deshalb ist eine Optimierung schon sinnvoll.

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Herzlichen Dank für die ausführliche Antwort!

Die Abschaltung der WP nachts sollte ich wohl den ersten Winter ganz ohne Öl-Support unbedingt ausprobieren. Danke für den Tipp!

(Dann weiß ich sicher vieles genauer als heute, wo ich immer noch die Ölheizung bei wirklich kalten Tagen als Reserve hatte. Diese muss aber wg der BAFA-Förderung bei der Sanierung nun leider abgebaut werden.)

Ein von 300 L auf ca 1000 L vergrößerter Heizwasserpuffer würde die Häufigkeit des Anspringens der HeizungsWP wohl um mehr als 50% verringern. Dass Wärme im Keller dadurch vermehrt freigesetzt wird, und dadurch etwas Effizienz verloren geht, würde mich tatsächlich dabei gar nicht stören, weil der Keller zusätzlichen Wärmeeintrag mE gut brauchen kann, um nicht feucht zu werden.

Danke nichmals, und herzlichen Gruß! Frank

Hast Du vor Anschaffung der Wärmepumpe die Heizlastberechnung Deines Gebäude ermittelt/berechnen lassen?
Zunächst wundert mich die relativ hohe Vorlauftemperatur (VLT) von 45 Grad bei überwiegend FBH.
Serieller Puffer heißt, Du fährst direkt von der WP in die Heizkreise und der Rücklauf aus den Heizkreisen speist den Puffer oben ein. Die Wärmepumpe bezieht Ihr Wasser unten aus dem Puffer.?
Welchen SCOP/Jahresarbeitszahl hast Du bisher erreicht?

Du kennst sicher die Beiträge von Professor Schenk.

Ich würde :

  1. zunächst jetzt im bevorstehenden Winter erst mal sehen, ob Du mit VLT 35 Grad C das Haus warm halten kannst.
  2. siehe nächsten Beitrag:
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Hier geht es weiter:
2. Das die Ovum Warmwasser erwärmt solange die Lambda noch läuft, sofern Warmwasserladen noch möglichst und der WWSpeicher nicht schon ganz warm ist. Das reduziert die Temperatur im seriellen Puffer und lässt die Lambda länger laufen.

  1. Sofern Dein Haus nicht nachstand zu schnell auskühlt, sperre die Lambda ab 21:00 bis 4:00 morgens.
    Beim Start um 4:00 kann die Lambda wohl 2h + durchlaufen, bis alle FBH Flächen und HK sowie der serielle Speicher knapp 35 Grad erreicht haben.
    Die Ovum sollte auch ab 4:30h WW nachladen.
    Dann sollte es im 6:00 schön warm sein.

Sollten am Vormittag alle auf Arbeit und Schule sein,dann auch von 7:00 bis 1:00 Sperrzeit einstellen.

Bin gespannt ob das die Starts nach unten bringt ohne Komfort Einschränkung.
Viel Erfolg!

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P.S. Der Hersteller Lambda Wärmepumpen hat mir auch gesagt, dass ein größerer Heizungspuffer in meinem Fall durchaus eine Option ist. Mein Heizungsbauer war nun so flexibel, im Zuge des Ausbaus der Ölheizung den fast neuen 300 liter Puffer gegen einen neuen 1000 liter HeizungsPuffer auszutauschen. Dieser Umbau erfolgt nun heute am 21.11.23.

Apropos Abbaus der Ölheizung, welche parallel in den Heizungspuffer eingespeist hatte: Hier könnte es infolge der provisorischen Hydraulik auch zu Verlusten gekommen sein.

Apropos Nachtabsenkung als Provisorium: Um das Takten zu vermindern, habe ich in den letzten Wochen eine sehr starke Nachtabsenkung von -25Kelvin ausprobiert, weil ja die Lambda WP nachts nicht zusätzlich in Betrieb gehen sollte. Das hat auch funktioniert: Über Nacht hatten wir eine Abkühlung des ganzen Hauses (Estrich, Fussboden, Heizkörper, Heizungspuffer) auf morgens überall 18-20 Grad. Durch diese Absenkung hatte die Lambda dann morgens bis Mittags idR 4-6 Stunden am Stück zu arbeiten, je nach Aussentemperatur bzw Heizbedarf.

Ich werde die veränderte Hydraulik (dh ohne provisorisch parallel geschaltete Ölheizung (was dem Aufbrauchen des restlichen Öls diente) und mit 1000 l statt 300 l Puffer) mit den o.a. Empfehlungen nun mal weiter beobachten und optimieren. Danke!

Ich hoffe auch, dass ich die hohe Vorlauftemperatur von 45 Grad im 1000 L Heizungspuffer nun nicht mehr brauchen werde. Da bei Aussen-Temperaturen unter 5Grad und darunter die Heizkörper in Bädern und Schlafzimmern allerdings nicht verzichtbar sind, kann ich nicht auf die Vorlauftemperatur absenken, welche für die reine FBH nötig ist. Ich habe ja einen Mischer dazwischen, damit aus dem Heizungspuffer beide Heizkreise bedient werden können, und die Radiatoren-Heizkörper brauchen schon über 40 Grad C.

Wow, 5-6h am Stück, das klingt gut, aber auch eben wiederum nicht.

Gedanken dazu:
Die 5-6h, die die WP nun zum Aufheizen braucht, hat das System ja über Nacht verloren. Das ist schon viel. Das bedeutet ja, sie läuft 5-6h unter Solltemperatur. Klingt nach kalten Füssen, zumindest zeitweilig, zumindest in einzelnen Räumen.
Jetzt liegst Du mit Deinen genannten Verbrauch ja um die 25.000 KWh, das sind 125 KWh/qm/a, wenn alles beheizt ist. Irgendwo im Mittelfeld, aber deswegen auch mit Potential.

So grundsätzlich solltest Du daran denken, dass Du Feuchtigkeit im Raum hast. Wenn der Raum kühler wird, dann bleibt die Wassermenge gleich, die rel. Luftfeuchtigkeit steigt aber, weil kalte Luft weniger Wasser halten kann. Der Effekt: Die Feuchtigkeit schlägt sich nieder. Es entsteht zwar Kondensationswärme, die geht aber über Nacht mit flöten. Am Morgen schickst Du dann Wärme rein und die verdampft erstmal das Wasser. Die Verdampfungswärme erhöht die Temperatur nicht. Pro L Wasser kannst Du 0,7 KW rechnen. Die absolute Feuchtigkeit im Raum liegt bei 10-12g / qbm.
Unterkühlung sollte man nicht nur wegen Schimmel tunlichst vermeiden, sondern kostet auch unnötig Energie. Darüber hinaus fühlt sich das unangenehm an.

Zusätzlich hast Du Räume mit FB und welche mit Heizkörpern. Also völlig unterschiedlichen Charakteristika. Da auch nur ansatzweise eine passende Heizkurve herauszufinden ist nicht so ganz einfach. Deine 125 KWh sind ja gemittelt, da mag der eine Raum 75 haben, ein anderer 200. Damit alle Räume warm werden, orientiert sich die Heizung an den 200, und alle anderen Räume werden dabei übersteuert.
Klassische Vorrausetzungen für eine Einzelraumregelung.

Ein Ansatz wäre den kritischsten Raum zu finden und darüber nachzudenken, wie Du mehr Wärme in den Raum bekommst. Z.B. größere Heizkörper oder ähnliches. Dann könntest Du den Vorlauf niedriger einstellen = besserer COP = weniger Energie. Weniger Übersteuerung.

In der Praxis ist und bleibt das System suboptimal, weil man ja nicht den ganzen Winter neben der Heizung steht und guckt, was sie tut. Dein Heizungsbauer kennt Dein Haus ja auch nicht, stellt die Kurve nach Gefühl irgendwie ein, wenn er sich Mühe gemacht hat, dann hat er auch vorher ein wenig gerechnet.

Ich habe in meinem Haus (BJ 1860, kernsaniert 2020) von Anfang an für eine Homematik (eQ3) geplant. Zuvor habe ich 6 Jahre damit herumexperimentiert. Bedeutet in jedem Raum elektronische Thermostate, die die HKV Ventile ansteuern. Und allerlei Schnickschnack und Sensorik. Damit lese ich (u.a.) auch meine WP aus. Da man damit alles mitloggen und grafisch aufbereiten kann, sehe ich genau, welcher Raum sich wie verhält und was meine Heizung wirklich macht.
Von Deiner Frage inspiriert lese ich nun auch den temporären COP mit aus wie auch die Kompressorzustände. Komme dabei im Moment auf 6-8 Takte.

Die Raumregelung erfolgt über die Thermostate, die kann ich ja in jedem Raum einstellen wie ich will, genauso die Nachabsenkung. Bei mir reichen 3 Grad (im Raum), damit die Ventile über Nacht zu bleiben. Und wenn es dann doch mal bitter kalt wird, dann verhindert das, dass der Raum zu sehr auskühlt. Andere Räume brauchen mehr Wärme, folglich heizen die auch in der Nacht etwas, damit sie nicht auskühlen.
Trotzdem hält die WP die Füsse still, weil genug Wärme im System ist.

Da ich mit meiner Homematik ganz viele Messpunkte habe, kann ich alles genau sehen, und das wiederum erlaubt mir zu erahnen, wie optimal die Anlage arbeitet. Genauso sehe ich, was eine Änderung eines Parameters (z.B. Heizkurve) bewirkt. Ich gucke mir nach 1-2 Tagen meine Grafiken an und ziehe meine Schlüsse.
Diese Erfahrung habe ich schon vorher gemacht, dass zu viel des Guten oftmals ein Schuss in den Ofen ist. Vielmehr bin ich zwischenzeitlich auf dem Trichter, möglichst wenig Schwankungen zu verursachen. Damit fahre ich besser als mit zu viel Regelungswut. FB ist ja ohnehin sehr träge.

Was im Winter funktioniert, geht natürlich auch im Sommer, da wird dann halt gekühlt und nicht geheizt. Und mit Solar dann umsonst, Sonne gibts ja dann genug.

Mit Solar (habe ich nun seit einem Monat auch) könnte man nun auf die Idee kommen, die Heizung bewußt zu übersteuern. Also den Strom vom Dach in das Heizungssystem zu pumpen. Der Gedanke ist gut, in der Praxis aber kaum umsetzbar. Das Dach liefert im Winter nur selten genug Leistung, um die Heizung damit voll zu versorgen. Im Winter deckt das im Schnitt 20-30% Deines Stromverbrauchs, es sei den Du hast 50 KW auf dem Dach. Der Effekt wäre, dass man die Übersteuerung überwiegend aus dem Netz zieht. Also teurer Strom mit schlechtem COP.
Anders ist die Situation, wenn man der Heizung mitteilen könnte, die Sonne scheint gerade, heize solange sie da ist. Oder mach mal Pause, weil gerade gekocht wird.
Kann man. Kann meine Homematik. Steht bei mir auf der Experimentierliste.

Die WPs sind auf Set und Forget ausgelegt, man stellt die einmal ein und ist glücklich. Der Laie soll ja daran gar nicht herumdrehen. Der Heizungsbauer könnte aber ganz viel mehr sehen und auch einstellen, mit entsprechendem Zugangscode des Herstellers. So eine WP hat ganz viele Parameter, die sich auch über Schnittstellen ansprechen lassen.
Die Hersteller sind ja auch schon selbst auf den Trichter gekommen, das man damit noch ein paar Euro verdienen kann, die unterschiedlichen Systeme müssen ja irgendwie miteinander harmonieren. Für den Benutzer aber auch eher wieder eine Blackbox.

Langer Rede kurzer Sinn:
Deine Entscheidung war schon grundsätzlich richtig. Mehr Energie im System = längere Taktzeiten, weniger Verschleiß. Ob nun 3 oder 5 Takte macht den Kohl aber nicht mehr fett. In 20 Jahren heizen wie vielleicht schon mit interstellarem Weltraumschrott. Deine jetzt neue und supertolle Heizung ist in 20 Jahren ein Haufen Altmetall, genauso wie jetzt Deine Öl-Heizung.

Das ganze System ist immer ein Kompromiss aus vielen Einzel-Faktoren. Lebensdauer, Komfort, Energie-Einsparung, Bautenschutz etc. Sensorik hilft die Effekte zu verstehen und zu steuern. Das nächste Ziel wäre nun, in den folgenden 20 Jahren so viel aus der Anlage rauszuholen, dass Du damit dann den interstellaren Fusionsofen bezahlen kannst.

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Hallo!
Ich klinke mich mal in das Thema ein mit meiner aktuellen Fragestellung:

Wir planen eine Luft-Wasser-WP von Stiebel Eltron WPL-A 05 HK. Also 5 kW Heizleistung.

Unser Haus ist aus den 70igern, aber schon einiges saniert und gedämmt. Ein paar Daten:

  • die berechnete Heizlast ist 5 kW
  • ausschließlich Heizkörper
  • WW-Erzeugung läuft separat über eine BWWP
  • PV-Anlage mit 13 kWp mit 9 kWh Batterie.

Nun die eigentliche Frage:
Der Heizungsmonteur empfiehlt einen Pufferspeicher mit 200l. Es gibt aber vom Hersteller auch einen Pufferspeicher mit 400l.

Wäre der größere sinnvoller?

Pro:
Man könnte mit PV-Strom an sonnigen Tagen über Temperaturerhöhung mehr Wärme einspeichern. Wenn schlechtes Wetter kommt, könnte man mit einem variablen Stromtarif die günstigen Stunden (nachts) nutzen.

Contra:

  • Für die WP ist es wohl besser, wenn sie möglichst konstant durchläuft. Die Temperaturüberhöhung geht mit schlechterer Effizienz einher, weil man auf z.B. 65 Grad aufheizt, obwohl 50 Grad VT reichen würden.
  • Der größere Pufferspeicher hat gem. Datenblatt 0,5 kWh höhere Bereitstellungsverluste pro Tag (bei 65 Grad).

Ich habe versucht, mich mal mit Zahlen anzunähern:
Wenn wir an einem Tag z.B. 60 kWh Wärme brauchen, sind das 2,5 kWh pro Stunde.
Bei einer VT von 45 Grad am HK brauche ich 50 Grad im Pufferspeicher.
Nun heize ich ihn auf 65 Grad auf.
Bei einem 200l-Speicher habe ich

1,16 * 200 * (65-50) ~ 3,5 kWh

gespeichert. Das reicht also nicht mal, um 1,5 Stunden zu überbrücken.

Mit einem 400l-Puffer wären es immerhin 7 kWh.

Habt ihr dazu Ideen oder Erfahrungswerte?

Viele Grüße,
Bille

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Hallo Bille,

die Diskussion hier im Thema beschreibt eigentlich schon den Sinn des größeren Pufferspeichers. Weil Du mehr Wasser im System hast, welches mehr Wärme puffern kann, werden die WP Takte weniger, dafür länger. Das schont den Verdichter weil dieser seltener einschaltet. Damit könntest Du die Lebensdauer der WP verlängern.

Deine Berechnung sagt ja schon genau das. Statt 1,5h dann ca 3h, damit kannst Du keine Energie von einen Tag auf einen anderen retten. Selbst das Hochheizen auf 65 Grad ändern daran nichts. Du änderst also nur die Anzahl der Takte pro Tag.

Korrekterweise müßtest Du die Pufferwirkung des Systems mitrechen. Bei Plattenheizkörpern ist diese eher gering, da sie wenig Wasser enthalten und der Heizkörper selbst auch kaum Puffermasse besitzt. Eine FBH hingegen enthält mehr Wasser (ca 11L / 100m) und eine große Betonfläche, die Wärme puffert. Dazu kommt dann der Speicher als Puffermasse.
Allerding werden Heizkörper auch mit einer höheren Temperatur und Spreizung betrieben als eine FBH, was diesen Effekt wieder etwas kompensiert.

Energetisch ist der Pufferspeicher eher ein Nachteil, da er selbst etwas Wärme verliert. Ohne Pufferspeicher hast Du keine Verluste, dafür aber wegen des geringen Energieinhalt des Systems eine recht hohe Taktrate. Mit 200L hast Du 1,5h ausgerechnet (ändert sich u.U. auch mit der Aussentemperatur), das wären 16 Takte (ohne Nachtabsenkung). Mit Nachabsenkung dann etwa noch 12. Mit 400L kommst Du dann grob auf 6-8 Takte.
Insofern denke ich, dass die 400L die bessere Wahl ist. Ich würde auch tendenziell dem Rat des Herstellers folgen, der weiß, was er da gebaut hat. Die Empfehlung hat schon einen Grund. Bei den Heizungsbauern würde ich mal genauer nachfragen, wie sie auf diesen Wert kommen. Also ob die Begründung plausibel ist.

Laut Deiner Beschreibung schließe ich, dass für Deine WP ein Puffer als Wärmetauscher angedacht ist. Der braucht etwas Übertemperatur, damit auf der anderen Seite die Vorlauftemperatur erreicht wird.
Ein einfacher Reihenpuffer bringt ein paar Nachkommastellen beim COP, weil der mit genau der erforderlichen Vorlauftemperatur befüttert wird. Das Heizungswasser läuft folglich durch den Puffer durch direkt in die Heizkörper. Du erhöhst quasi nur das Wasservolumen in System.

Zu Deinen Pro & Contra:
Also wenn wir über Pufferung im System selbst reden, dann rechne mal aus, wie groß Dein Pufferspeicher sein müßte, um einen Tag zu überbrücken. Ich glaube das beantwortet die Frage.

Übersteuern der Anlage erhöht zwar die Energie im System, das reicht aber ebenfalls nur für ein paar Stunden wenn überhaupt. Da sich jedoch der Gesamt-COP der Anlage verschlechtert, macht das nur in dem Moment Sinn, wenn überschüssige Energie da ist. Du mußt folglich in der Lage sein, Deiner Anlage mitzuteilen, wann sie wieviel Strom ziehen darf. Denn aus dem Netz darf der Strom in diesem Moment nicht kommen.
Das geht grundsätzlich mit den meisten WPs, setzt aber etwas Wissen über Deine WP und eine externe Steuerung voraus.

Eine Batterie wäre das einfachere Verfahren, denn die puffert einfach was da ist und gibt die Energie ab solange was da ist. Zu viel würde ich im Winter davon aber auch nicht erwarten, denn sie kann ja nur puffern, was über den Tag an Überschuss da ist. Also an einzelnen Tagen bewirkt das etwas, an anderen Tagen gar nichts, weil vom Dach nur ein paar Watt kommen.

Unter Strich kann man eine generelle Aussage zu einzelnen Verfahren und Maßnahmen pauschal gar nicht so einfach machen. Es gibt so viele individuelle Faktoren, die die Wirtschaftlichkeit und Sinnhaftigkeit beeinflussen. Jeder hat so sein persönliches Verbrauchsprofil, und ohne das die Anlage in Betrieb ist, wirst Du auch nur grob schätzen können. So wirklich rechnen kannst Du erst, wenn Du belastbare Zahlen hast.

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Hallo Bille, ich habe ja nun den direkten Vergleich von 300 l Puffer mit 1000 l Puffer, bei gleicher Hydraulik. Die Taktung ist mit größerem Puffer natürlich deutlich reduziert. Tatsächlich habe ich mit 1000 liter Puffer unterhalb von 7Grad Außentemperatur gar keine Taktung mehr, weil die Lambda WP die aufgenommene Leistung einfach auf 0.9 KW herunterfährt. Durch den großen Puffer habe ich aber auch nachts ein langsameres Auskühlen. Ich denke, 200 liter für den Puffer bei Dir ist schon wirklich klein, und 400 liter wären da deutlich vernünftiger. Auch bei mir hat das Experiment mit höherer VLT ( Bereich 45 - 48 Grad C) beim 300 Liter Puffer zwar Takte reduziert , weil die LWWP länger lief bis zur Zieltemperatur, aber vor allem den COP verschlechtert, sonst kaum spürbar geholfen.

Mit dem 1000 l Puffer erprobe ich jetzt 42Grad C Vorlauftemperatur und längere Laufzeit der WP von aktuell 0500h - 2300h. Die Nachtauskühlung ist damit nicht mehr so stark, die morgentliche Leistungsaufnahme geringer.
Bei Aussentemperaturen von 2-7 Grad bin ich ganztägig ohne Taktung unterwegs, der Heizbedarf wird durch die Regulationsbreite der Lambda ( ca 0.9-2.4 KW) geregelt, bei höheren Außentemperaturen im Frühjahr plane ich mittags eine Auszeit für die WP. ein.

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P.S. zum Thema PV-Ertrag im Winter mit 13KWp wie Bille :smile: Wir ernten momentan , im durchwachsenen November und Dezember, mit ebendieser Peakleistung und auch infolge von div. Verschattungen nur einige 100 W bis, bei Sonne, wenige KW Momentanleistung aus der Anlage. Aber eben auch fast nur zwischen 1030h und 1500h. => Wenn es 10KWh pro Tag Ertrag gibt, ist das schon selten, und spitze. Selbst wenn die Batterie (10KWh) mal alle 14 Tage auf 50% Ladung kommt, ist das nach spätestens 3-4h von der WP oder / und dem nächsten Kochvorgang ruckzuck „verbraten“ und bringt uns nicht mal ohne Netzbezug bis in die Nacht. Traurig aber wahr.

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Vielen Dank für eure Antworten!
Der Heizungsbauer hat unsere Frage dazu so beantwortet:
Ein 200l-Speicher ist technisch völlig ok. Der 400er ermöglicht mehr Energiespeicherung und weniger Taktung. Ob wir wirklich Energie sparen damit ist wegen der höheren Verluste schwer zu sagen. Andererseits kommen die Verluste des Speichers wiederum dem Keller zugute und werden von der WW-WP genutzt.
Also er war auch nicht klar für eine Richtung.
Wir haben uns nun für einen 400l-Speicher entschlossen.
Auftrag ist erteilt, nach dem Ende der Heizperiode geht es los!

Hallo Bembi,
auch ich bin ein Fan der Homematic IP Produkte! Damit kann wird der hydraulische Abgleich automatisch durchgeführt, Homematic spricht da glaube ich von einem „dynamischen, daptiven Abgleich“ weil bei jedem Betriebszustand nur der Heizwassermassenstrom durch die Heizkörper oder FB-Heizkreise geht, der genau benötigt wird (andererseits machen das andere automatische HK-Thermostaventile auch). Tja und der Einbau der Homematic IP Thermostventilköpfe wird meines Wissens auch immer noch gefördert (20% ??). Wenn man eine raumweise Heizlastberechnung mit hydraulischen Abgleich von z.B. einem Energieberater rechnen lässt, dann sind schnell mal 500-1000 € ausgegeben.
VG
Hagez

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Hallo Bembi,
ich glaube, dass wir da - was den Verschleiss des Verdichters angeht - vielleicht ein wenig übereifrig sind. Ich habe etliche Jahre bei einem großen Hersteller von großen Ausdenhnungsgefäßen (Druckhalteanlagen mit Kompressoren und Pumpen) gearbeitet und bei den Kompressoren (Kolben- und Membrankompressoren) haben wir mit einer max. Schalthäufigkeit von 2 Schaltungen pro Stunden gerechnet. Auf den Tag hochgerechnet waren das bis zu 48 Ein- und Ausschaltungen.
VG
Hagez

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Ich hab ein mittlerweile gedämmtes 70er Jahre Reihenhaus mit 140 qm und HK. In den ersten Wochen ab November hat die Lambda EU 8 bei wärmeren Außentemperaturen bis zu 15mal getaktet. Bei Normaußentemperatur läuft die WP mit 45 Grad. Zufällig stand im Heizungskeller noch ein nicht mehr benötigter 3000l GFK-Öltank, den ich dick eingepackt und als Pufferspeicher umfunktioniert habe. Der Pufferspeicher hängt über einen Wärmetauscher und eine Umwälzpumpe direkt am Vorlauf. Bei den derzeitigen Außentemperaturen zwischen 3 und 14 Grad wird der Puffer zwischen 9 und 20 Uhr aufgeheizt, danach greift für die WP die Nachtabsenkung bis morgens um 8, danach wird ca. 1 Stunde der Hygienespeicher erwärmt und das Ganze beginnt von vorn. Die WP taktet gar nicht mehr, die Räume werden durch die Beheizung mit gleichmäßig warmem Vorlaufwasser ca. 1 Grad wärmer als bei der Takterei vorher und ich habe die Heizkurve im Bereich über 0 Grad mittlerweile um parallel 2 Grad abgesenkt. Das Ganze läuft jetzt seit 2 Wochen, mit der Steuerung bei kälteren Temperaturen muss ich noch experimentieren. Der Puffer ist nicht an die Steuerung der WP angebunden, eine Regelung ist bisher nur über Dauer und Höhe der Nachtabsenkung sowie über eine smarte Zeitschaltuhr möglich, die auch außentemperaturgesteuert schalten kann. Der Temperaturverlust des Wärmetauschers bei Laden und Entladen das Pufferspeichers liegt bei insgesamt ca 2 Grad(sagt der Thermodynamikfachmann der das konzipiert hat), außerdem entstehen natürlich Abstrahlverluste während der Speicherung. Dafür kann ich die tagsüber in der Regel höheren Temperaturen mit einem besseren COP nutzen und die WP läuft länger im optimalen Bereich. Weitere Sparpotentiale z. B. über Anbindung der PV oder einen flexiblen Stromtarif sind angedacht, benötigen aber zunächst einmal ein smartes Energiemanagement.

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