Hydraulik, Pufferspeichergröße, Taktung bei Wärmepumpe

Hallo Martin, ganz herzlichen Dank für den wertvollen Input. Ich bleibe zunächst mal beim Heizungsbauer dran. Viele Grüße Jürgen

Mein Heizungsbauer ist mit dem Hersteller immer noch in der Klärung. Heute ist mir aufgefallen, dass die Temperatur der hydraulischen Weiche (15 l Inhalt), welche die das EG und OG versorgen, 32,5°C hat. Die Temperaturen für das EG liegen bei VL 38°C und RL bei 28°C. Beim OG an der Pumpe sind es 32°C VL und 30°RL. Können dies Messfehler der Stecheisen sein, oder deutet dies auf ein hydraulisches Problem hin? Die Taktung ist nicht mehr ganz so hoch wie vor einem halten Jahr, da ich die Taktsperre von 10 Minuten auf 30 Minuten angehoben habe. Bei Außen-Temperaturen um die 10°C habe ich die Taktsperre auf 45 Minuten eingestellt.

Du willst sagen der tut nix.

Zu Deinen Temperaturen: Kann man nicht ganz so viel zu sagen, da man dazu wissen müßte, wo was gemessen wird.

So grundsätzlich schaltet die hydraulische Weiche ja die Heizung von Heizbetrieb auf WW-Betrieb um. Da WW höhere Temperaturen erfordert, landend dann ein Teil der Energie nach der Warmwasserbereitung wieder im Heizkreis. Insofern könnten an einzelnen Stellen temporär höhere Temperaturen gemessen werden, bis sich dieser WW-Anteil im System verteilt hat. Das sollte sich aber relativ schnell wieder einpendeln.
Um gemessene Temperaturen zu validieren, hilft ggf. ein externes Thermometer.
Deine Beschreibung finde ich so aber in Deiner Grafik nicht wieder.

Hilfe!
Dachte, habe mich jetzt lang mit dem Thema WP und Pufferspeicher beschäftigt, um eine Entscheidung zu treffen. Und jetzt steh ich doch auf dem Schlauch…
Meine Situation: geplant ist ein Wechsel von Ölheizung auf eine LG Therma V R290 12 kW WP mit 100l Pufferspeicher und 200l Warmwasserspeicher.
140 qm 1913 Bj Altbau, freistehend in Norddeutschland. Wände nicht gedämmt. Fenster, Türen, Dach neu und isoliert. Heizkörper, keine Flächenheizung.
PV 8,2 kWp, Speicher 14kWh.
Geplant ist ab kommenden Jahr dynamischer Stromtarif.

Andere Angebote von Viessmann, Lambda kamen mit einem 300l Pufferspeicher.
Jetzt bin ich mir nicht sicher ob ich auch einen größeren Pufferspeicher wählen soll.
Heizungsbauer sagt, 100 Liter sind für unser Haus und nach Herstellerangaben richtig und ausreichend. Sind aber bereit auch nen größeren Pufferspeicher zu verbauen.

Schiebe diese Entscheidung auf und brauche Hilfe.
Wie sind eure Erfahrungen? 100l oder 300l ?
Danke im Voraus!

Pufferspeicher ist ein Kompromiss zwischen Effizienz und Lebensdauer der WP. Ist er zu klein, taktet die WP recht oft, was den Verschleiß erhöht. Die Effizienz leidet aber ebenso, weil die WP ja bei jedem Anlauf erst einmal den Verdichterdruck aufbauen muss.

Ist der Puffer zu groß, hast Du entsprechend Wärmeverluste im Puffer.
Die Taktung ergibt sich aus dem Wärmeverlust des Hauses und dem Puffervermögen des gesamten Systems. Ohne Puffer hast Du nur den Wasserinhalt des Systems.

In meines ersten Artikel hier in diesem Thread gibt einen Link, solltest Du Dir mal ansehen.

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Hallo Martin, der Heizungsbauer war mittlerweile da, hat die Stecheisen erneuert und die neueste Software aufgespielt. Die guten und berechtigten Fragen aus dem Forum betreffend meiner WP hat der Heizungsbauer an den Hersteller weitergegeben. Dieser findet diese gut, aber zu allgemein und weigert sich, diese zu beantworten -(.
In der Zeit vom 27.11. bis 18.12. wurden 100m2 (1. OG) von insgesamt gut 200 m2 nur mit 17°C über die Thermostate begrenzt.
Am 18.12.24 um 12.00 Uhr haben sich die Thermostate dann wieder auf 25°C gestellt (in der Wohnung werden üblicherweise 21,5° C erreicht). Eigentlich hätte ich erwartet, dass die WP in der Aufheizphase der Last von 100m2 konstant durchläuft, bis die Thermostate keine weitere Anforderung mehr haben und abregeln.
Das Taktverhalten liegt bedingt durch die Taktsperre von 30 Minuten bei einem Intervall von 1 Stunde.
Leider gab es im Taktverhalten trotz dieser Extremsituation keinen Unterschied. Gibt es hierfür eine Erklärung? Entweder Steuerungsproblem oder Hydraulik? Viele Grüße und schöne Weihnachten

Vielen Dank für die Erläuterungen. Haben mir insofern geholfen, dass ich mich für einen 300 l Puffer entschieden habe. Diese Größe scheint mir nicht zu groß.
Würdet ihr die 300 l nun in Reihe oder parallel einbinden. Ich möchte gerne in Reihe. Um die Vorlauftemperatur weiter zu senken und die Laufzeiten zu verlängern. Oder Sind die 300 l als Reihenpuffer vllt wg. den Verlusten zu viel?

Hallo Marcin,
Reihenpuffer ist effizienter, weil Du keine Übertemperaturen brauchst. Hintergründe findest Du in dem Schenk Video weiter oben, oder auch ein paar Diskussionsansätze hier:

und das hier als Alternative:

Ein Parallelspeicher ist eine Trennung von WP Wärmekreislauf und Heizkreislauf, weil ein Wärmetauscher dazwischen liegt. Das verhindert, dass der ganze Dreck und Rost aus dem Heizkreis am Verdichter landet. Ist meist angeraten, wenn Du eine Altanlage aufrüstest und alte Heizkörper drin läßt. Bei einer Neuanlage (z.B. mit FBH und neuen Rohren) hast Du kein Korrosionsproblem, deshalb nimmt man hier aus Effizienzgründen eher einen Reihenspeicher.

Hallo Jürgen,
ich glaube Du mußt das System von 2 Seiten betrachten:

Der Heizkreis…
…(incl. Puffer) kann nur eine gewisse Wärmemenge speichern. Die im System befindliche Energie berechnet sich aus der Wassermenge und der VL Temperatur. Das sind bei Wasser 1,163 Wh pro Kg und Kelvin. Hast Du also 500L Wasser im Heizkreis und Du heizt den von 20 auf 40 Grad auf, dann hast Du theoretisch 500 x 1,163 x 20 = 11,63 KW im Heizkreis. Der Heizköper kann die Energie aber nur entsprechend seiner Spezifikation an den Raum abgeben.
Wenn also Deine Umwälzpumpe 0,2 qbm/h durchs System schickt, und bei einem Vorlauf von 40 Grad mit gut 35 Grad im Rücklauf zurückkommt, dann wären dass 200L x 1,163 x 5 Grad = 1,163 KW pro Stunde, welche die Heizkörper dem Wasser entziehen. Genau diese Wärmemenge müßte die WP konstant erzeugen, um die entzogene Heizleistung auszugleichen.

Der Wärmeerzeuger…
…schaltet in aller Regel anhand der Rücklauftemperatur. Dazu stellst Du den Spread ein und die VL Temperatur. Also z.B. 40 Grad VL und Spread = 5 Grad. Je nach WP oder Einstellung bewegt sich die WP dann zwischen 40 und 35 Grad oder 42,5 und 37,5 Grad. Bei der oberen Temperatur schaltet sie ein, bei der unteren wieder aus. Moderne WP sind Inverter-Pumpen, die Ihre Leistung in einer definierten Bandbreite anpassen können. Sie werden berechnet auf die Temperatur, die im Höchstfalle liefern müssen. Also beispielweise auf -12 Grad. Da sind sie allerdings auch nicht mehr effizient, kommt aber selten vor. Oberhalb dieser Grenztemperatur brauchst Du erstmal diese Leistung nicht, darüber hinaus liefert die WP bei höheren Aussentemperaturen auch mehr Leistung ab. [Betriebsanleitung]https://www.weishaupt.de/uploads/tx_weishaupt_documents/documents/83315401_08_22.pdf
Deine WP liefert folglich 9,93 KW bei 2 Grad und 13,9 KW bei -7 Grad. Offenbar regelt die WP da schon selbst gegen, denn eigentlich sollte es umgekehrt sein.

Der Mindestvolumenstrom Deines Aggregates liegt bei 0,8 qbm/h, weniger geht nicht. Nun gelten hier die gleichen Regeln. Die Heizleistung und Volumenstrom bestimmt, wieviel Energie das Aggregat abgibt. Wenn Deine Heizung folglich eine Stunde läuft, dann sind das 800L x 1,163 x 5 Grad Spread = 4,65 KWh. Das ist die Energie, die dem Heizungswasser mindestens zugeführt wird.
Wie weit sich nun Dein Verdichter herunterregeln läßt, kann ich aus den Datenblättern nur erahnen. Aber so üblich sind so bis 30%. Deine Grafiken zeigen bei 0 Grad Aussen einen Volumenstrom um 1 QBM, bei 10 Grad aussen von 1,5 QBM. Das könnte ggf. die Erklärung darin haben, dass die WP (bei 10 Grad) schon mit der Mindestleistung läuft und deshalb den Volumenstrom erhöht, und die Wärme loszuwerden.
So grundsätzlich steuert die WP über ihre Leistungsaufnahme (die Verdichterleistung) und den Volumenstrom. Die Wärmeabgabe ist dann bestimmt durch den Volumenstrom und den COP.

Interessant auch noch diese Angaben:
[Biblock-WBB-20]https://www.hsb.ch/app/uploads/2021/05/Produktdatenblatt_Biblock-WBB-20.pdf

Beides Zusammen:
Durchlaufen kann die WP nur, wenn Wärmeerzeugung und Wärmeabnahme im Gleichgewicht ist. Wenn die WP ihre Leistung nicht los wird, muss sie takten. Unter die Mindestleistung kommst Du nicht. Und die würde ich irgendwo bei den oben genannten 4,65 KW (Abgabe) einsortieren. Würde sie damit durchlaufen, hättest Du 24 x 4,65 = 111 KWh pro Tag.
Dein 300L Speicher hält etwa 300L x 1,163 x 5 Grad = 1,7 KW Energie. Ohne Abnahme wäre der nach 22 Minuten voll. Dazu kommt dann das Wasser im System.

Um der Lösung auf die Spur zu kommen, müßtest Du nun aus Deinen Aufzeichnungen mal herausfiltern, was Deine WP bei welchen Temperaturen denn so abliefert, und was Dein Haus bei welchen Temperaturen überhaupt abnimmt.

Ich habe allerdings die Ahnung, das Deine Heizung etwas größzügig ausgelegt ist und Du ggf. mit einem größeren Speicher die Heizphasen verlängern solltest.

Grüße
Martin

Hallo Martin,
nochmals ganz herzlichen Dank für die tolle Analyse, welche ich auch nachvollziehen kann. Das hätte ich eigentlich vom Hersteller oder Heizungsbauer erwartet -;). Die Kupferleitungen haben einen Querschnitt von nur 12mm und 15mm, was die Sache vermutlich nicht einfacher macht. Was mich wundert, ist die immer geringe Differenz zwischen VL und RL-Temperatur (gemessen an den Stecheisen der Pumpen, welche jeweils das EG und OG versorgen), welche max. 5 Kelvin beträgt. Was mich seit der Anfang begeistert sind die Heizkörper von Kermi. Ich habe von ehemals 11er auf 22er und 33er bei den führenden Heizkörpern nachgerüstet und fahre auch bei im Moment 1 Grad Aussentemperatur bei 38°C VL.
Trotzdem habe ich bei 2/3 der Wohnfläche 22°C.
Ich wünsche Dir schöne Weihnachten und einen guten Start in 2025. Herzliche Grüße

Zur rechtlichen Frage der Rückgabe kann ich nichts sagen, da brauchst wohl einen Rechtsanwalt.

Die EUL8 hat bei 32 Grad VLT und 27 Grad RLT eine JAZ (August24 bis Februar 25) von 4,5 im Bilanzkreis 4 mit externer Messung von Strom und Wärme.
Die interne Anzeige liegt bei 5,5.
Die Wärmepumpe moduliert und läuft durch solange die mittlere Außentemperatur über 24h nicht über 12 Grad steigt.